Manfred Mergel beweist, dass Schwaben alles andere als humorlos sind

Manfred Mergel beweist, dass Schwaben alles andere als humorlos sind

 

Schwarzwälder Bote, 18.11.2016 - von Ingrid Vögele 

Vöhringen. "Grüß Gott mitnander!" erging an den "Nachmittagstreff für Junggebliebene und Ältergewordene" im evangelischen Gemeindehaus. Zu Gast war der schwäbische Mundartprediger und Mundartautor Manfred Mergel aus Aach bei Freudenstadt.

Gemeinsam mit den Besuchern spürte er der Frage nach "Wie dr Schwob lacht". Ja lacht er denn überhaupt oder geht er in den Keller zum Lachen? stand sehr provokativ im Raum und es gab gleich Gelächter. "Jetzt freu de doch mal!". "Wieso? I freu me doch, des siehst du bloß net."

Das Beispiel warf ein Schlaglicht auf den schwäbischen Humor. Der Schwabe freut sich nach innen, er ist kein pausenloser Witzereißer. Tiefsinnig, auf leisen Sohlen und "strümpfig" kämen Witz und Lachen daher. Maulfaul, mit wenigen Worten und eher in der Stille würden Worte wie "I dank dr schee" und "Amen" als Morgen- und Abendgebet gesprochen. Im Vergleich zu anderen Stämmen sei der Schwabe keineswegs humorlos, nur trage er ihn nicht vor sich her wie auf einem Silbertablett. "Bei Liebesgefühlen wärs halt dann doch schee, wenn mers mal zeige dät. So isch dann au wieder." Obwohl er widersprüchlich erscheine, immer zwei Seiten bedenkend, sei dem Schwaben schwarzer oder boshafter Humor fremd.

Amüsant zeigten Beispiele die Probleme, das Leben offen zu genießen. Lachen richte sich hier in sanfter Art gegen Moralisieren und übertriebene Frömmigkeit, sie wolle jemanden weiterbringen, erläuterte Mergel. Alltagstauglich und praxisorientiert seien weitere Kennzeichen, begründet in der Geschichte der armen Bevölkerung, die Nüchternheit, Sparsamkeit und Bescheidenheit auszeichneten.

Dem Begriff "driale" im Sinne von Nichtstun wurde zur Erheiterung aller nachgegangen, das gerade gepflegt werde, denn das Leben sei mehr als Arbeit. Insgesamt "knitz und pfiffig" sei der Schwabe keineswegs humorlos. Die Art des Lachens könne eine Tugend sein, nicht alles bierernst zu nehmen, gnädig zu sich selbst zu sein und anderen die Fehler zu vergeben. Das begeisterte Publikum erhielt noch eine kurze Zusammenfassung: Ein Jubelpaar feiert goldene Hochzeit. Der Gabentisch biegt sich. Der Bräutigam nimmt seine Frau in den Arm: "Maria, jetzt hat sich s doch noch glohnt".