"So isch´s no au wieder!" -Zweiter Mundartgottesdienst auf dem Cannstatter Volksfest am 04. Oktober 2009

Evangelischer Pressedienst (2221/29.09.2009) - von Dorothee Adrian

Stuttgart (epd). Manfred Mergel ist Pfarrer in Simmozheim (Kreis Calw) und bekennender Liebhaber der schwäbischen Sprache. Regelmüßig hält er deshalb Mundartgottesdienste auf schwäbisch, „das ist einfach umgänglicher und heimeliger. Man kann lockerer predigen und die Herzen der Zuhörer leichter erreichen.“ An diesem Sonntag (4. Oktober) legt er auf dem Cannstatter Volksfest im Dialekt das Wort Gottes aus.

Die schwäbischen Predigten kosten mehr Vorbereitungszeit, alles sitzt, jeder Satz, jede Pointe, seine Frau liest drüber und gibt ihm Anregungen. Die akribische Vorbereitung lohnt sich, viele Menschen kommen ganz gezielt zu seinen schwäbischen Gottesdiensten. Zwei, die sich davon angesprochen fühlen, sind Walter Bantscheff und Günther Ehninger. Sie waren letztes Jahr beim Mundartgottesdienst auf dem Volksfest und werden auch dieses Jahr wieder kommen.

„Wer den Hintersinn der schwäbischen Sprache kennt, der findet sich da eher wieder“, sagt Günther Ehninger, „man kapiert's leichter!“ Er mag die Art, in der Manfred Mergel predigt und ist schon gespannt, „wie legt er aus, wie interpretiert er, welche Worte wird er finden?“ Auch Walter Bantscheff – sonst eher kein Kirchgänger – war „als bekennender Schwabe“ angetan vom Mundartgottesdienst. Und auch von der Mischung. Volksfest und Gottesdienst, „das war ein richtiges Erlebnis. Es ist alles wie sonst auf dem Volksfest, aber da geht dann eine Story ab, da ist ein Pfarrer, es gibt eine Predigt, Menschen, die sich damit identifizieren – das ist einfach mal was anderes!“

Dazu kommt viel Musik, dieses Jahr ein Chor mit Bandbegleitung und ein Posaunenchor. Es habe ihm beim letzten Mal richtig Spaß gemacht, sagt Bantscheff. Auch Günther Ehninger betont, wie gut ihm das gefalle: der ruhige, eher besinnliche Tagesbeginn auf dem Wasen, und danach dann der traditionelle Volksfestbesuch mit Göckele, Bier und Fahrgeschäften.

Ob genügend Besucher kommen und auch nach dem Gottesdienst noch im Schwabenbräu-Festzelt bleiben, könnte darüber entscheiden, ob es den Mundartgottesdienst auch künftig noch auf dem Volksfest gibt. Denn für den Wirt des Festzeltes zählt, ob auch finanziell etwas rüber kommt. Manfred Mergel wünscht es sich, denn auch er mag die Atmosphäre dort, die Einladung vom Cannstatter Volksfestverein hat er gerne angenommen.

Dass zu diesem Gottesdienst zum Teil ganz andere Leute kommen als in die Kirche, sieht er als große Chance, auch mal andere Menschen anzusprechen. Beim Mundartgottesdienst auf dem Volksfest werde es dieses Jahr um Armut und Reichtum gehen, um die biblische Geschichte einer armen Frau, die im Vergleich zu den reichen Menschen relativ viel spendet. „Und da sagt der Schwabe: So isch s no au wieder“ – das Motto des diesjährigen Gottesdienstes.

In der Predigt findet Mergel verschiedene Beispiele aus dem Alltag, wo Menschen entdecken, aha, so kann es auch gehen, die Sache hat noch eine andere Seite, „so isch s no au wieder!“ Manfred Mergel wünscht sich einen bunten, fröhlichen Gottesdienst, „und dafür braucht man auch viele Menschen, die so ein großes Zelt füllen.“