Schwäbische Seitenhiebe

Tatort-Kommissar Bienzle und Felix Huby beim Gemeindeabend

Schwarzwälder Bote, 21. 10. 2003 - von Raphael Klinger

Simmozheim. Es ist Sonntag abend, für Krimifans heißt das: Tatort-Zeit im Fernsehen. Nicht aber für die Simmozheimer am vergangenen Sonntag, denn da kam der Tatort in Gestalt von „Bienzle“ und Felix Huby auf Stippvisite in die Gäugemeinde.

In der Reihe der Gemeindeabende konnte Pfarrer Manfred Mergel den Schauspieler Dietz-Werner Steck, besser bekannt als Tatort-Kommissar Bienzle und Felix Huby, Schriftsteller und Drehbuchautor der Bienzle-Tatorte und vieler Filme, im Simmozheimer Gemeindehaus begrüßen.

150 Gäste waren erschienen, um den Tatort live zu erleben. Stilecht mit einem guten Viertele Trollinger vor der Nase und dem Buch in der Hand, lasen die beiden Künstler aus Hubys Büchern. In der zweiten Erzählung musste sich Kommissar Bienzle im fernen Berlin behaupten. Dort begegnet er einem schwäbischen Kriminalroman-Autor, mit dem er den Unterschied zwischen Schwaben und Berlinern erörtert. „Die Schwaben schwätzen langsam und schaffen schnell, bei den Berlinern ist es genau andersrum“, lässt Bienzle sich belehren.

Huby wechselte immer gekonnt zwischen der hochdeutschen Erzählerstimme und der schwäbischen Dialogstimme. Immer wieder baute er in seine Erzählungen liebevolle Seitenhiebe auf die typischen Eigenarten der Schwaben ein. Begriffe wie Sparsamkeit und Tüchtigkeit wurden durch die geschickt gesetzten Pointen aufgezeigt. Das kam beim Publikum bestens an.

Klar eigentlich, denn der Saal war schließlich voller Schwaben, bei der Parodie erkannte jeder etwas von sich wieder. Danach wurde es noch heiterer, die beiden lasen nun Dialoge aus der Erfolgsserie „Der Eugen“.

Schon in der Pause hatte Bienzle seinen nächsten „Fall“ zu lösen: Er war auf der Suche nach seiner Frau, die die Autogrammkarten hatte. Als diese wieder aufgetaucht war, nutzten viele Gäste die Gelegenheit, Bücher zu kaufen und sie sich signieren zu lassen.

Nach der Pause führte Pfarrer Mergel durch eine Gesprächsrunde, bei der er den beiden interessante Geschichten aus deren Karriereverlauf entlocken konnte.

Die Stippvisite der Prominenten dauerte dann auch zirka eine „Tatort-Länge“, denn nach eineinhalb Stunden verschwanden die beiden wieder mit ihrem Chauffeur ins Dunkel der Nacht.

Stichwort

(rk). Seit 1976 existiert Kommissar Bienzle in Hubys Romanen, jahrelang drängte der Autor den Süddeutschen Rundfunk, Bienzle als seinen neuen Tatort-Kommissar zu beschäftigen. Lang scheiterte das Projekt, es fehlte einfach der geeignete Schauspieler. 1990 entdeckte Huby dann Dietz-Werner Steck am Stuttgarter Staatstheater und wenig später hatte Steck die Rolle seines Lebens. 1992 begann mit dem ersten Bienzle-Tatort die Erfolgsgeschichte des schwäbischen Duos, mittlerweile haben die Krimis hohe Einschaltquoten. Der erste Bienzle-Tatort in diesem Jahr ist mit knapp zehn Millionen Zuschauern der bislang meist gesehenste. In seinen Romanen lässt Huby viel Persönliches in Bienzle einfließen, wie Pfarrer Mergel in der Diskussion herausfand. Im Laufe der Zeit habe er die Romanfigur Bienzle aber stetig seiner Person angepasst, erzählte Steck. „Es steckt sehr viel Steck in Bienzle“, sagte der Schauspieler und nippte an seinem Trollinger.

Felix Huby (links) und Dietz-Werner Steck