Schwäbische Gegensätze ziehen sich an

Pfarrer Manfred Mergel und Mundart-Autor Bernhard Kurrle sorgen in Simmozheim für amüsanten Abend

Schwarzwälder Bote, 15. 2. 2003 - von Corina Neuer

Simmozheim. Wer dachte, Pfarrer Manfred Mergel könne "nur" predigen, wurde am Donnerstagabend eines Besseren belehrt. Bei einer szenischen Lesung auf schwäbisch stellten Mergel und Diakon Bernhard Kurrle nicht nur ihr schauspielerisches Talent unter Beweis.

Heiteres und Nachdenkliches, auf Blättern Fixiertes und Improvisiertes, Zeichnungen und bildhaft Übertragenes, nichts fehlte beim dritten Simmozheimer Gemeindeabend mit dem Titel "I, du ond d-Anderleut".

So schwungvoll wie Mergel und Kurrle den Saal im evangelischen Gemeindehaus zu Beginn ihrer szenischen Lesung betraten, so füllten sie ihn auch mit schwäbischer Mundart. Bestimmt von Dialogen und Monologen über sich selbst und das Gegenüber, hoben sie auf nicht ganz ernst zu nehmende Art und Weise den Einfluss der "d-Anderleut" hervor.

Während der Mundartautor Kurrle sich fragte, ob er zu gut für die Welt sei, und es dabei nicht versäumte, auf die Fehler "d-Anderleut" aufmerksam zu machen, wusste Mergel: "Wir sind wie wir sind."

Unübersehbar war für die Zuhörer Kurrles und Mergels private Freundschaft, die die beiden auch "auf der Bühne" verband.

Nichts desto trotz thematisierten die beiden mit sichtlichem Vergnügen ihre Gegensätze wie das Alter. Der 72-jährige Kurrle schenkte dem wesentlich jüngeren Mergel nichts, ganz zur Freude des Publikums. Aber auch andere Gegensätze wie Spruch und Widerspruch oder Zuspruch gehörten zu dem gehaltvollen Programm der beiden. Dabei war für sie nichts tabu. In einer gelungenen Mischung aus Wortwitz, Situationskomik und schwäbischen Binsenweisheiten nahmen sie sich Themen wie Geld, Liebe oder Glaube an und hatten damit die Lacher auf ihrer Seite.

Seine "neueste Errungenschaft", das Reimen, flochte Kurrle ebenso wie seine schwäbischen Kommentare zu Marianne Marx-Bleils Zeichnungen sogleich in die Lesung mit ein.

Was es im Schwäbischen heißt, "schaffig" zu sein, war für den aus dem Raum Stuttgart stammenden Kurrle und Mergel eine Leichtigkeit zu erklären. Die "Kehrwoche" und die "Alteingesessenen" kam ihnen da gerade recht.

Die Erkenntnis, auf "d-Anderleut net gucke zu müsse", verwunderte zum Schluss nicht. Trotz zwei Stunden bester Unterhaltung ließ das Publikum die zwei nicht ohne Zugabe ziehen.