Schwäbisch ist auch ein Stück Heimat

Prominenter Politiker ist überzeugter Mundartfan / Förderverein will seine Mitgliedszahl steigern

Schwarzwälder Bote, 13.03.2004 - von Bettina Bausch

Beim letzten Simmozheimer Gemeindeabend der Evangelischen Kirchengemeinde drehte sich alles um die schwäbische Mundart. Zu diesem Thema hatte Pfarrer Manfred Mergel Regierungspräsident Hubert Wicker aus Tübingen eingeladen.

Im ersten Teil des Gesprächs ging es – natürlich auf schwäbisch - vor allem um die Person Wicker. Dabei bezeichnete sich der Jurist als „pietistisch geprägter Katholik“. Dann kam Wickers Bezug zum Dialekt zur Sprache. Dieser ist seiner Ansicht nach in der alltäglichen Realität einfach praxisnäher und weniger abgehoben. Man finde im Dialekt auch viel leichter den Zugang zum Gesprächspartner, sagte er.

Pfarrer Mergel berichtete, dass seine Mutter wegen seines schwäbischen Dialekts die Sorge gehabt habe, dass aus ihm „nichts Rechtes“ werde. Man müsse zwar in der Schule das Hochdeutsch pflegen, könnte jedoch im mündlichen Unterricht ruhig mehr Schwäbisch zulassen. Auf der Kanzel sei die Mundart umstritten. Dazu Wicker: „Irgendwelche Anordnungen in dieser Frage wären falsch. Man darf die Mundart unverkrampft einsetzen, wenn sie die Leute anspricht und dann mehr Besucher kommen.“

Gegen Ende der Veranstaltung stellten die beiden Gesprächspartner den Förderverein „Schwäbischer Dialekt“ vor. Die Mundart gehe vor allem in den Städten rasant zurück. „Dialekt ist ein Kulturgut, ein Stück Heimat für die Menschen“, meinte Wicker. Deshalb hätten bei der Gründung des Vereins auf Anhieb viele mitgemacht Man habe den Ehrgeiz, mit Hilfe prominenter Werber wie Klaus Kinkel, Manfred Rommel und Gerhard Raff die Mitgliederzahl von jetzt etwas über 600 auf 1000 zu bringen. Der Verein verfolgt das Ziel, „den Bestand an Dialektaufnahmen zu sichern und die Verwendung von Mundarten zu fördern.“

Einige Simmozheimer traten dem Verein spontan bei. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises, Thomas Blenke, und Bürgermeister Hartmut Mayer füllten ein Beitragsformular aus.

Der Abend wurde durch die mundartlichen Liedbeiträge der Gruppe „Let`s fätz“ abwechslungsreich und humorvoll mitgestaltet.

 

Pfarrer Manfred Mergel im angeregten Mundartgespräch mit Regierungspräsient Hubert Wicker