Schwäbisch? Geradezu göttlich

Vortrag / Mundartpfarrer Manfred Mergel schaut dem Volk launig aufs Maul

Schwarzwälder Bote, 26.06.2017 - von Steffi Stocker

"Man schwäbelt wieder" ist eine sich verbreitende Erkenntnis, die zunehmend auch Pfarrer Manfred Mergel unterstreicht. Im Pfarrkeller von Zavelstein beschäftigte er sich mit Sprachformen im Allgemeinen und mit dem schwäbischen Dialekt im Besonderen.

Bad Teinach-Zavelstein. Und das ließen sich am Freitagabend auch etliche Frauen nicht entgehen, obwohl es eine Veranstaltung des "Männervespers" der evangelischen Kirchengemeinde war. Schon zum Auftakt der Ausführungen hatte der Zavelsteiner Pfarrer Thomas Moser den Besuchern augenzwinkernd den Witz erzählt, dass Schwäbisch die göttliche Sprache ist. "Ihr schwätzet wie i", lautete demnach die Sprachverteilung in Richtung der Bevölkerung aus dem hiesigen Landstrich.

Heiter, leicht und dennoch tiefsinnig waren die Ausführungen von Mergel, der sich zunächst variierenden Sprachformen widmete. "Schon Luthers Anliegen war eine verständliche Sprache", verwies er dabei auf die Redewendung "Dem Volk aufs Maul schauen", die auf den Reformator zurückgeht.

Für diplomatische Formulierungen ist Luther nämlich nicht bekannt. Vielmehr wählte er gern deftige Worte, was mitunter ja auch in der Natur der Schwaben liegt.

Der Mundartpfarrer, der früher in Simmozheim die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde lenkte, verstand es, mit Beispielen wie "Luftverlastung" (Transport mit dem Hubschrauber) nicht nur der Amts- und Behördensprache auf die Spur zu kommen.

Auch andere Sprachformen wie Schriftdeutsch oder Jugendsprache mit ihren Spezialausdrücken sowie die frömmelnde Sprache Kanaans nahm er unter die Lupe.

"Die kirchliche Binnensprache erfüllt mich manchmal mit Sorge", berichtete der Mundartpfarrer indes von einer vermeintlichen Anbiederung an den Zeitgeist, die allerdings dem Geist der Zeit rund 15 Jahre hinterherhinke. "Dialekt wird kultig und ich höre es auch bei jungen Leuten, die ihn bewusst einsetzen", konstatierte Mergel schließlich zur Mundart.

Launig war deshalb auch der zweite Teil des Abends, an dem er Beispiele aus seinen Predigten im Dialekt und dem weltlichen Geschehen mit dem Publikum tauschte.