Neid treibt Menschen auch vorwärts

Ungewöhnliches Thema für Gottesdienst

Schwarzwälder Bote 10.03.2009 - von Bettina Bausch

Die Simmozheimer Kirche ist voll besetzt mit Besuchern aus nah und fern. Dieses Mal ist auch der Posaunenchor aus Schönaich zu Gast und bereichert den Gottesdienst mit warmen Klängen.

Zunächst tönt nur eine Stimme aus der Sakristei: „I doch ned! D' ander Leut, des kann sei, aber i ganz gwiß ned“. Gemeint ist mit diesen Worten das Neidischsein auf andere. Das sei er keineswegs, betont Pfarrer Manfred Mergel, der heute als Normalbürger im blauen Anton aus der Sakristei tritt. Es folgt ein Anspiel vor den Gottesdienstbesuchern, das das Thema Neid schon einmal deutlich aus der Sicht eines Durchschnittsmenschen anklingen lässt.

Beim Blick aus dem Fenster auf die Dorfstraße trifft er doch Feststellungen, die deutlich von Neid geprägt sind. „Isch des dr Maile? Hat der scho wieder a neus Auto. Nächste Monat bestell i mir au a neus. Was der kann, kann i scho lang“, kann sich der Bürger nicht verkneifen. Im Folgenden ist er neidisch auf Herrn Müller, der „scho wieder a neue Freundin hat“.

Was bisher heiter wirkte und zum Schmunzeln anregte, wird jetzt von Mergel in der Predigt ernsthaft reflektiert. Grundlage dazu ist der Text Matthäus 20, 1-16. Ein Weinbergbesitzer stellt zu verschiedenen Tageszeiten Tagelöhner in seinem Weinberg ein. Am Abend erhalten sie alle denselben Lohn, egal wie lange sie gearbeitet haben. Die Ganztagesarbeiter empfinden dies als Unrecht und begehren auf. Darauf der Arbeitgeber: „Bisch neidisch, weil i großzügig bin?“ Danach zieht sich „neidisch“ durch die gesamte Ansprache. An mehreren Beispielen wird aufgezeigt: „Dr Mensch isch a geborener Neidhammel“. Man könne es auch daran ersehen, dass sogar Jesus dieses Thema aufgegriffen habe. Neid komme auch oft in der Bibel vor. Kain bringt Abel aus Neid um. „Doch Neid hat au a gute Seite. Er treibt de vorwärts. Dr ganze Fortschritt, d' Wissaschaft und d' Technik hänget dodrmit zsamma“, gibt Mergel zu bedenken.

Am Schluss gibt Mergel einen Rat. „Erst wenn du aufhörscht zu rechna, vergleicha und berechna, merkscht du, wie großzügig dr liebe Gott an dir isch. Mit dir meint r s gut. Und weil er s mit dir gut meint, meint r s au mit de andere gut. Deshalb sei ned neidisch!“

Der Posaunenchor aus Schönaich bereicherte den Mundartgottesdienst mit mehreren Beiträgen.