Mundartpfarrer: "Nix isch besser wie ebbes Guats"

Auf dem Canstatter Wasen: Gärtringer Stimmbande eröffnete Erntedank Gottesdienst

Böblinger Kreiszeitung, 05.10.2009

Gärtringen/Stuttgart (red). Mit dem geistlichen Lied „Ich schenke euch ein neues Herz“ eröffnete die Gärtringer Stimmbande den Gottesdienst des schwäbischen Mundartpfarrers und ehemaligen Gärtringer Seelsorgers Manfred Mergel auf dem Cannstatter Wasen.

Doch nicht nur das Lied der Stimmbande kam von Herzen: Auch der geistliche Mundartprofi sprach mit seiner Predigt unter dem Motto „So isch na au wieder!“ Schwaben und Nichtschwaben direkt und persönlich an. Ausgehend von einer Stelle im Markusevangelium führte Mergel diese schwäbische Relativitätstheorie – dass alles seine zwei Seiten habe – eindrücklich vor: Eine arme Witwe wirft ihre letzten zwei Kupfermünzen in den Opferstock des Tempels, die reichen Besucher wähnen sich aber durch ihre hohen Spenden großzügiger – was in der Bibel aber zurecht gerückt wird. Großzügiger sei die arme Witwe, denn relativ gesehen habe sie alles von sich gegeben, die Reichen nur von ihrem Überfluss. „Zuviel isch nix, zuwenig au net“ heißt die schwäbische Dialektik an anderer Stelle beim evangelischen Pfarrer aus Simmozheim, kurzweilig erzählt und gespickt mit Anekdoten und Überlegungen aus der jetzigen Zeit.

Reichtum verpflichtet und „Nix isch besser als ebbes Guats“, erzählte Manfred Mergel weiter und verwies auf die Historie des Cannstatter Volksfestes. Als in den Jahren 1816/17 ein kalter Winter und anhaltende Unwetter die Ernte verhagelten, die Kartoffeln im Boden verfaulten und die Württemberger hungerten, spendete der König im darauf folgenden Jahr, 1818, seinen Untertanten ein großes Volksfest mit reichlich Speis und Trank. Das erste Cannstatter Volksfest war geboren, quasi als Erntedankfest für das darbende Volk.

Das Schwabenbräu-Zelt war an diesem, fast zweihundert Jahre später stattfindenden Erntedankfest gut besucht, in ansprechender, heller Atmosphäre mit viel Holz und unter rot-grünem Baldachin. Mit den Liedern „Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt“ der Söhne Mannheims, das sehr gefühlvoll intoniert war, und „Jesus Christ, you are my life“, einem neugeistlichen Lied, rundete der Chor aus Gärtringen den Gottesdienst ab. Dietmar Peter an der Bassgitarre und am Keyboard sowie Matthias Minich am Cajon begleiteten die Stimmbande professionell unter der Leitung von Wolfgang Körber. Nach abschließendem Gebet und Segen durfte die Stimmbande noch altbewährte Hits von Abba zum Besten geben. Mit „Knowig me, knowing you“, „Mamma Mia“ und der Zugabe „Super Trouper“ heizte sie schon mal für den nächsten Bühnenauftritt ein – den der Dorfstadl-Musikanten aus Bayern. So war's na au wieder.

Stimmgewaltig beim Gottesdienst auf dem Wasen: die Gärtringer Stimmbande.