Mit Humor die schwäbische Seele beleuchtet

Petra Zwerenz bestach mit präzisen Beobachtungen / Schöne herbstliche Dekoration

Schwarzwälder Bote, 15.10. 2005 - von Bettina Bausch

Die Mundartlesungen in Simmozheim wurden mit einem besonderen Leckerbissen fortgesetzt. Pfarrer Manfred Mergel hatte Petra Zwerenz aus Reutlingen eingeladen, die durch Mundartbücher wie „Alb und Älbler“, „A bissle onderwegs“ oder „Fascht wie drhoim“ bekannt geworden ist.

Gleich zu Beginn der herzerfrischenden Lesung merkte man, dass Zwerenz Bodenhaftung hat, denn in ihren Texten war nichts Gekünsteltes. Vielmehr erklang im Simmozheimer Gemeindehaus reinstes Schwäbisch der Reutlinger Alb. Die Autorin erzählte keine spektakulären Geschichten. Es war vielmehr die präzise Beobachtung, der Blick auf die kleinen, unscheinbaren Dinge, die Stimmung erzeugten und ihre Geschichten so faszinierend werden ließen.

Inhaltlich bot die 44-jährige Pädagogin ein breites Spektrum typisch schwäbischer Sichtweisen. Humoristisches stand dabei im Vordergrund. Unnachahmlich wurde zum Beispiel der schwäbische Haushalt beschrieben und gleichzeitig, gleichsam mit einem Augenzwinkern, ironisch belächelt. Ganz anders dann das beschauliche Sitzen am See, wo der Betrachter den Schiffen zuschaut und die Wellen zu seinen Füßen plätschern. Dass dabei auch noch schwäbisch-philosophische Gedanken aufkommen, ist nur natürlich. Und der Betrachter denkt dann an das Lebensglück, das Alter und die Beschwernisse des Lebens. „Ja, s´Leba ko weh do! Ob i´s nochmol seh ko, wie a Kind?“ philosophiert die Schwäbin schließlich seufzend.

Das Älbler-Schwäbisch klang für Simmozheimer Ohren da und dort etwas fremd und hart. Und doch ließen sich die Besucher gefangen nehmen von der typisch schwäbischen Stimmung und vom Bild des schwäbischen Menschen, das Zwerenz immer mehr entstehen ließ.

Zum Wohlfühlen trug auch die schöne herbstliche Dekoration der Tische mit Zierkürbissen, buntem Laub und Kerzen bei. Durch die musikalischen Beiträge von Susanne Kalthoff und Christoph Hipp-Kalthoff gab es für die Zuhörer angenehme Auflockerungen und Erholungsphasen, die das weitere intensive Zuhören erleichterten.

„So eine Lesung ist eine schöne Sache und es ist gut, dass es sie in Simmozheim gibt. Hochdeutsch muss es aber auch geben“, kommentierte Helmut Schneider nach der gelungenen Veranstaltung.

 

Die Mundartschriftstellerin Petra Zwerenz, sowie Susanne Kalthoff und Christoph Hipp-Kalthoff mit Musikbeiträgen gestalteten in Simmozheim einen Mundartabend.