Mergel sagt es am liebsten auf Schwäbisch

Simmozheimer Pfarrer entdeckte vor Jahren seine Liebe zu Sprichworten und Wendungen in Mundart

Schwarzwälder Bote 27.06.2007 - von Marion Selent-Witowski

Simmozheim. Seit Jahren betätigt sich der Simmozheimer Pfarrer Manfred Mergel mehr oder weniger als Übersetzter. Das Evangelium bringt er nämlich am liebsten auf Schwäbisch unter die Leute: „Die Schriftsprache lebt vom Dialekt“, ist er überzeugt. Der nächste Mundartgottesdienst ist für Sonntag ab 9.30 Uhr in der Kirche zur Simmozheimer Dorfhocketse geplant. „Dent gut mitnander“ ist er überschrieben und handelt vom Thema Frieden.

Fünfeinhalb Jahre ist Mergel jetzt in der Gäugemeinde tätig. Davor arbeitete der gebürtige Göppinger in Gärtringen und als Vikar in Seeburg auf der Schwäbischen Alb. „Dort musste ich mich selbst erst einfinden, auch was den dortigen Dialekt betrifft“, erinnert er sich. Und schon war eine Idee geboren, die den Pfarrer bis heute nicht loslässt. „Eine lebhafte Erzählung hat eine gute Pointe, und die ist in hochdeutscher Sprache dann weg“, sagt er.

Wobei eine exakte Übersetzung mancher Begriffe mehr als schwer ist. Dann greift der Geistliche gerne auf schwäbische Sprichworte und Wendungen zurück. Beim Thema Glaube müsse oft am Wortlaut gefeilt werden, „sonst werden schnell religiöse Gefühle verletzt.“ Dennoch biete der Dialekt die Chance, in Glaubensdingen den Punkt zu treffen.

In Gärtringen hat er regelmäßig Gottesdienste im Dialekt gehalten, in Simmozheim ist das zwei bis drei Mal im Jahr der Fall: „Das braucht zum einen viel Vorbereitung und soll zum anderen etwas Besonderes bleiben“, weiß Mergel aus Erfahrung. Die außergewöhnliche Gestaltung der Gottesdienste auf verbaler Ebene wissen Mergels Schäfchen zu schätzen, inzwischen werden die Mundartgottesdienste auch von Ostelsheimern und Althengstettern besucht. „Als Kirche muss man eine verständliche Sprache sprechen, für die Seelsorge im Dorf ist der Dialekt alltagstauglich“, erklärt Mergel. Außerdem werde man als Pfarrer ganz anders wahrgenommen und verstanden, wenn man mit den Menschen im Ort so rede, wie ihnen der Schnabel gewachsen sei.

Den schwäbischen Dialekt sieht der Theologe als ein Stück Kultur. Nicht umsonst gehört er zu den Gründungsmitgliedern des Fördervereins Schwäbischer Dialekt mit Sitz in Tübingen, der im Juli 2001 ins Leben gerufen wurde. Eines der Hauptziele des Vereins sei es, Gelder von Sponsoren zu sammeln, diese Künstlern und Mundartbühnen zur Verfügung zu stellen und auf diesem Weg das Schwäbische zu erhalten und zu pflegen.

Wichtig findet es Mergel auch, dass Kindern der Dialekt nicht genommen wird: „Jungen und Mädchen, die mit dem Schwäbischen aufwachsen, sind in der Schule, vor allem im Schriftdeutschen, nicht schlechter als andere Schüler“, ist er sich sicher.

Durch das Behandeln von Mundarttexten im Unterricht könne man den Kindern vermitteln, dass man sich seines Dialekts nicht schämen muss, das sei schließlich auch ein Stück Heimat. Dieser Begriff wird übrigens im Oktober im nächsten Mundartgottesdienst Thema sein und unter kulturellen, politischen und biblischen Aspekten betrachtet werden.

Schwäbisch ist für Mergel nicht gleich Schwäbisch: Die Sprache, die oft in Mundarttheaterstücken verwendet werde, sei nicht seine: „Es gibt Derbheit und Derbheit, die alltägliche ist erlaubt, was unter die Gürtellinie geht aber nicht“, sagt der Pfarrer entschieden.

Auch negative Reaktionen hat es schon auf die Mergelschen Mundartgottesdienste gegeben: Zum einen wurde ihm des öfteren der Vorwurf gemacht, sich deswegen zu wenig um andere seelsorgerische Belange zu kümmern, "zum anderen wurde ich durch meine Dialektpflege schon als ewig gestrig bezeichnet und sogar in die politisch rechte Schublade gesteckt“, erzählt der Seelsorger, der sich davon aber nicht beirren lässt.

Das werden die Gottesdienstbesucher auch am Sonntag in der Dreifaltigkeitskirche bemerken. Obwohl das Thema Friede zunächst einmal ein sehr ernstes ist, wird es dort heiter zugehen. In dem Gottesdienst wird ein etwa zwölfminütiger Sketch des bekannten Duos Häberle und Pfleiderer, das auf Willy Reichert und Oscar Heiler zurückgeht, eingeflochten.

„Die Friedenskonferenz“ heißt die Szene, die Klaus Kutzer und Berthold Rentschler von der Möttlinger Veigelesbühne darstellen werden. Nachdenklich, aber vor allem gut gelaunt kann es nach dem Gottesdienst für die Besucher dann zur Dorfhocketse rund um das Backhaus gehen.

 

Die Kirche muss in den Augen von Pfarrer Manfred Mergel eine verständliche Sprache sprechen. Da liegt für ihn nichts näher, als zwei bis drei Gottesdienste im Jahr auf Schwäbisch zu gestalten. Foto: Gäubote Herrenberg