Manfred Mergel könnte durchaus für volle Kirchen sorgen

Mundartgottesdienst / Ehemaliger Simmozheimer Pfarrer bringt Cannstatter Volksfest nach Holzbronn

 

Schwarzwälder Bote, 13.10.2016 - von Bettina Bausch

Calw-Holzbronn. Es ist immer etwas Besonderes, wenn der ehemalige Simmozheimer Pfarrer Manfred Mergel einen Gottesdienst auf Schwäbisch hält. Viele haben ihn auch in diesem Jahr beim Cannstatter Volksfest im Schwabenbräu-Festzelt erlebt.

Am Dienstagabend konnte Pfarrer Markus Wurster zum dritten Abendtreff den beliebten Mundartpfarrer im Holzbronner Krabba-Nescht begrüßen.

"Das hier ist ein Angebot für Menschen, die vielleicht nicht so gerne in die Kirche gehen", so der Holzbronner Geistliche. Rund 100 Menschen hatten auf Einladung der evangelischen Kirchengemeinde zum Teil weite Anfahrtswege auf sich genommen, um den schwäbischen Prediger zu hören. Bei guter Bewirtung in der urigen Schenke und durch die humorvolle Sprache des Geistlichen entstand schnell eine ebenso fröhliche wie nachdenkliche Atmosphäre.

Mergel stellte an diesem Abend eine Mundartpredigt in den Mittelpunkt, die er schon im Volksfestzelt gehalten hat. "Komm du mr heim!" lautete das Motto, unter dem die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn ausgelegt wurde. Diese handelt bekanntlich davon, wie ein Tunichtgut sein Erbe in der Fremde verjubelt und am Ende völlig heruntergekommen und reumütig in sein Vaterhaus zurückkehrt.

Viele lauschten gespannt und schmunzelten immer wieder über die originelle Ausdrucksweise Mergels. Andere, die des Schwäbischen nicht so mächtig waren, waren ebenfalls äußerst konzentriert bei der Sache. Da galt es Aus¬drücke zu verstehen wie "Komm dapfer on guck" (Komm schnell und schau) oder "Wenn du ebbes bosget hasch" (Wenn du etwas Boshaftes begangen hast). Ausdrücke wie "Mein lieber Scholli" oder "Er hat viel verbockt" in einer Predigt zu hören, sorgten immer wieder für Schmunzeln und Erheiterung.

Beeindruckend für viele war, wie das Motto "Komm du mr heim!", das landläufig eher als Drohung verstanden wird, im Laufe der Auslegung der Geschichte immer mehr zur Einladung zur Heimkehr ins Vaterhaus mutierte. Und Mergels Kernaussage lautete schließlich: "S’ Beste isch emmer, dass mr sich versöhnt, wenn mr gehändelt hat.“

"Vielleicht sollte Mergel öfter hier in der Kirche predigen, dann wäre sie wohl etwas voller", meinte am Ende Besucher Martin Dengler, der sich wie viele andere noch ein Buch des Autors, was der Mundartpfarrer auch ist, signieren ließ.