Kirchenboom dank Dialekt-Jesus

Simmozheim: Mundart-Gottesdienst mit Pfarrer Manfred Mergel

Sindelfinger Zeitung, 26.09 2005 - von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden

„Du hast uns Herr gerufen, und darum sind wir hier“, singt die Gemeinde in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche in Simmozheim. Außerordentlich muss der Ruf diesmal gewesen sein. Das Gotteshaus ist mit 400 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Für einen Tag wie diesen sei das allerdings noch eher wenig, sagt Pfarrer Manfred Mergel.

Tatsächlich ist es der Ruf des Simmozheimer Gottesmannes, der selbst aus den Nachbargemeinden die Gläubigen zum Gottesdienst gelockt hat. Dass hier eines jeden Pfarrers Traum Wirklichkeit wird mit einem übervollen Gottesdienst, der alle Altersgruppen anspricht, liegt nicht daran, dass er auf die globale Dreieinigkeit von Love-Pop-Tschieses Jugendkulturliturgie setzt. Nein, Manfred Mergel zieht seine Schäfchen mit der Kraft des Lokalen in Bann.

„Mir Schwobe hänget an oserm Sach“, schlägt Mergel in dem Mundartgottesdienst das Generalthema an und erzählt einen Witz: Fliegt einem Amerikaner und einem Bayer eine Wespe ins Weizenglas, so bestellt erster ein neues, der Bayer fummelt das Tier weg und trinkt weiter. Der Schwabe packt das Insekt am Kragen: „Gib mer mein Schluck Bier wieder her.“ Das kommt an.

In der Predigt vertieft er das Thema anhand der biblischen Geschichte vom reichen Jüngling. Der reiche Jüngling, der von Jesus wissen will, was er Gutes tun müsse, um das ewige Leben zu erlangen, der könne ein Schwabe sein, interpretiert Mergel die Episode aus Matthäus. Denn auch der reiche Jüngling hänge an seinem Sach.

Dass die Geschichte Brisanz hat, erklärt Mergel den Zuhörern. Armut allein könne dem Glauben nicht zuträglich sein. Not lehre nicht bloß beten, sie lehre auch das Fluchen. Verwerflich sei nicht Reichtum, schlecht sei nur, dass er blende, locke, verführe. Und Mergel gibt der Geschichte zuletzt eine sehr schwäbische Wendung. Geiz habe religiöse Wurzeln, denn er bedeute: „I häng mehr an meim Sach als am Heiland.“

Margret Kimmerle ist eine von vielen, die aus umliegenden Gemeinden zum Mundartgottesdienst gekommen ist, so wie schon oft zuvor, seit Pfarrer Mergel 2002 seinen Dienst hier angetreten hat. „Hier wird der ganze Mensch angesprochen“, begründet die Unterhaugstetterin die Anziehungskraft der Gottesdienste im schwäbischen Zungenschlag, die Mergel vor zehn Jahren, damals noch in Gärtringen, initiierte.

Natürlich trägt auch die musikalische Umrahmung mit dem Männervokalquartett Viertett, sowie der Auftritt des dreizehnköpfigen Promusic-Ensembles des Althengstetter Posaunenchors zur Attraktivität des Ganzen bei. Aber Manfred Mergel selbst sieht die Popularität seiner etwa dreimal jährlich gehaltenen Schwäbisch-Gottesdienste zum Großteil in der besonderen Atmosphäre mit ihrem „fröhlichen Zug“. Hier dürfe gelacht und geklatscht werden. Zum andern lasse sich das Evangelium auf Schwäbisch viel direkter sagen.