Heiteres und Nachdenkliches

Manfred Rommel bleibt dem Simmozheimer Publikum nichts schuldig

Schwarzwälder Bote, 22. 6. 2002 - von Olaf Sinner-Schmedemann

Ein Manfred hat den anderen Manfred eingeladen und siehe da: Das evangelische Gemeindehaus in Simmozheim vermochte kaum all die zu fassen, die sich nicht entgehen lassen wollten, einen Mann zu erleben, dessen Ruf und Popularität gleich vielerlei Ursachen hat.

Denn der aus Göppingen stammende Pfarrer Manfred Mergel, selbst ein Dialektdichter, will mit gelegentlichen Mundartgottesdiensten und Gemeindeabenden "offene Arbeit über die Kirchengemeinde hinaus" leisten. Deshalb war diesmal in Simmozheim einer zu Gast, der weit über die Landesgrenzen hinaus sowohl für seinen politischen Spürsinn berühmt ist, als auch für seinen bisweilen hintergründigen Humor.

Manfred Rommel, der Sohn des legendären Generals, des "Wüstenfuchses" Erwin Rommel, vormaliger Referent im baden-württembergischen Innenministerium, langjähriger CDU-Oberbürgermeister von Stuttgart und Präsident des Deutschen Städtetages, hat sich schon seit langem durch heitere Bücher und Gedichte auch abseits der politischen Pfade etabliert. Als "hählenges Abschiedsg'schenk" für den scheidenden Bürgermeister Kurt Winkeler bezeichnete Pfarrer Mergel diesen überaus amüsanten Abend mit Rommel. Und dieser blieb nun überhaupt nichts schuldig von dem, was seine Leser und Hörergemeinde erwartet.

Mit der von ihm gepflegten Eigenart eines stoppeligen Nuschelns, die den ahnungslosen in trügerischer Sicherheit wiegt und deshalb manche Wortfalle erst im Nachhinein erkennen lässt, ging Rommel gleich ans Eingemachte. Nach Seitenhieben auf den vormaligen Minister Mayer-Vorfelder plauderte Rommel ganz ungeniert über die Unzulänglichkeiten und Verschrobenheiten von Politik und Politikern. Dabei nimmt er sich keineswegs aus, im Gegenteil, und manchmal keimt im Zuhörer der Verdacht, ob die knitze Selbstironie, die Rommel an den Tag legt, nicht auch eine Art Selbstschutz ist.

"Ohne Lüge kann man das Amt nicht verwalten", liebäugelt Rommel mit dem landläufigen Vorurteil über Politiker die er allsogleich entlarvt: "Die meisten erwischt man bei der Lüge, weil lügen eine große Intelligenz erfordert." Sarkastisch preist er den Vorteil des Oberbürgermeisterpostens an: "Man wird umsonst beerdigt." Scheinbar harmlos kommt die Erkenntnis einher: "Wenn man jemand kennenlernt, ist er meist so, wie man befürchtet hat." Seinen milden Spott gießt Rommel aus über die Kehrwoche und die Tücken, die Nachbarn sich einfallen lassen, um anderen das Leben sauer zu machen. "Zerdappen" sei die "altschwäbische Art", um der Schneckenplage Herr zu werden, heutzutage aber aus Tierschutzgründen moralisch fragwürdig, nimmt Rommel manche Albernheiten der "political correctness" auf die Schippe.

"Meine Dichterseele" schreit nach Öffentlichkeit, verkündet er zum Gaudium des Publikums zu Beginn des zweiten Programmteils und ließt einige der meist in lakonischer Kürze gehaltenen Gedichte. Mal schlichter Nonsens, mal durch Humor abgemilderte Häme. Einem eitlen Zeitgenossen bescheinigt er kurz und bündig: "Die Zahl der Titel will nicht enden, auf dem Grabstein steht nun: Bitte wenden!" Des Lachens war kein Ende in Simmozheim, auch bei den hernach gereichten, schon etwas bemoosten Witzchen. Ein fröhlicher Abend.