Geistlicher Zuspruch einmal auf Schwäbisch

Kirche bei besonderem Gottesdienst von Pfarrer Manfred Mergel brechend voll

Schwarzwälder Bote, 9. 3. 2004 - von Bettina Bausch

Simmozheim. „Ihr liebe Semmerzer, ihr Zuzogene, Gäst on Reigschmeckte ond ihr liebe Christaleut!“: Mit diesen Worten wurden die Besucher des Mundartgottesdienstes in der Simmozheimer Kirche von Pfarrer Manfred Mergel begrüßt. Dreimal im Jahr bietet er den ungewöhnlichen Gottesdienst an. Das Interesse daran ist nach wie vor ungebrochen.

Es kommen Besucher von weit her, um den Reiz einer Predigt in schwäbischer Mundart mitzuerleben. Deshalb war die Kirche mit über 400 Besuchern brechend voll, Notsitze und zusätzliche Stühle mußten eingesetzt werden.

Der Predigt war Römer 5, 1 - 5 zugrunde gelegt. Im Text ging es um Schwierigkeiten im Leben, um Zufriedenheit, Bewährung und Hoffnung. Es zeigte sich, daß Schwäbisch in einer Predigt für schwäbische Ohren manches sehr klar, griffig und pointiert ausdrücken kann.

Einige Kostproben: Daß der Mensch eher durch schwere Erfahrungen lernt, klang schwäbisch-deftig so: „Manchmal muß mr da Zinka neibringa. Erfahrunga muß mr selber macha.“ Geistlicher Zuspruch für Unzufriedene hörte sich so an: „Nemm älles aus seiner (Gottes) Hand, bruddl net oder bloß a bißle drunternei, sei häbig on vertrau drauf, daß r s recht macht.“

Der Gottesdienst bekam eine besondere Note durch die Mitwirkung der Calwer Aurelius Sängerknaben unter Leitung von Hans-Jörg Kalmbach. Sie sangen während des Gottesdienstes einige geistliche Lieder und am Schluß zwei mit schwäbischen Texten. Auch ein Posaunenchor aus Schönaich trug zur festlichen Gestaltung bei.

Beim anschließenden Ständerling herrschte reges Treiben. Auf dem Platz vor der Kirche hatten fleißige Hände liebevoll ein einladendes Buffet aufgebaut. Menschen standen in Gruppen zusammen. Viele hatten eine Kaffeetasse und ein Gebäck in der Hand und unterhielten sich angeregt.

Die Gespräche kreisten vorwiegend um das eben Erlebte und Gehörte. Aber natürlich auch um die Predigt auf Schwäbisch. „Wenn jemand unsere Muttersprache spricht, freut man sich einfach. Man nimmt das Gehörte auch viel intensiver auf“, faßte Sigrid Beck die Meinung vieler Besucher zusammen.

 

Die Besucher des Mundartgottesdienstes in Simmozheim waren am Sonntag begeistert. Und die evangelische Kirche war brechend voll.