Ganz tiefe Einblicke in die Psyche der Schwaben

Schonungslose Offenheit kommt bei Publikum gut an

Schwarzwälder Bote, 30.04. 2005 - von Bettina Bausch

Simmozheim. „Über drei Sachen schwätzt mer net, über Geld, s' Parteibuch ond Sex“, zitierte Pfarrer Manfred Mergel den schwäbischen Schriftsteller Thaddäus Troll beim jüngsten Mundart-Abend im Simmozheimer Gemeindehaus. Und doch wurde dann mit den Worten Trolls viel über diese Bereiche ausgesagt.

Der schwäbische Autor und Journalist Dr. Hans Bayer mit dem Pseudonym Thaddäus Troll hat in seinem Buch „Deutschland deine Schwaben“ in schonungsloser Offenheit und mit oft herber Kritik alles Schöne und weniger Schöne über die Schwaben dokumentiert.

Mundartpfarrer Mergel las aus diesem Buch, das in Hochdeutsch geschrieben ist, und kommentierte die Passagen auf Schwäbisch. Inhaltlich ging es um die Bereiche „Schaffa, Schaffa ...“, die bäuerlichen Wurzeln, das dialektische Denken, die Liebe und natürlich ums “Sach“.

„Besitz gibt Sicherheit, hebt das Ansehen und ist ein Zeichen göttlichen Wohlwollens“, so Thaddäus Troll. Dann folgt die kritische Anmerkung: „Der Schwabe strebt nach Besitz und ist nicht in der Lage, ihn zu genießen“. Eine andere widersprüchliche Haltung kommt in dem Satz zum Ausdruck: „Dr' Schwob jammert, au wenn' s ehm gut geht, damit dr' Nachbar net neidisch wird“.

Der Besitz sei im Schwäbischen so dominierend, dass es beim Heiraten unserer bäuerlichen Vorfahren oft nach dem Motto gegangen sei: „Liebe vergeht, Hektar besteht“. Mergel hob die alten Werde, die aus unserem bäuerlichen Erbe kommen, besonders hervor. Die Heimat, das Leben in Naturverbundenheit und in einer gesunden Umwelt würde wieder neu entdeckt.

Sigrid Beck hatte mit dem Tischschmuck auch etwas für das Auge getan. Das Quartett „4-tett“ sang zwischen den Texten immer wieder passende Lieder wie „Muss i denn zum Städele hinaus“, „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Ich wär so gerne Millionär“.

Die junge, viel versprechende Gruppe, die aus den Aurelius-Chören hervorgegangen ist, verfügt auch über ein beachtliches Repertoire geistlicher Chorsätze.

Die vier jungen Männer boten A cappella-Musik vom Feinsten und bekamen viel Beifall. Die Besucher wurden gut unterhalten, schmunzelten und lachten viel.

 

Pfarrer Manfred Mergel und die Gruppe "4-tett" gestalteten einen unterhaltsamen und lehrreichen literarischen Abend mit viel Musik.