Die Zähne sind Plagegeister

Simmozheim: Mundartautorin Petra Zwerenz im Gemeindehaus

Sindelfinger Zeitung, 20.10. 2005 - von unserem Mitarbeiter Alexander Walther

Pfarrer Manfred Mergel lädt immer wieder Prominente wie Manfred Rommel oder andere berühmte Zeitgenossen ein. Diesmal stellte er eine unbekanntere Autorin vor, die 2003 den Ludwig-Uhland-Förderpreis (überreicht durch Carl Herzog von Württemberg) erhielt: Petra Zwerenz.

Sie wurde 1961 in Münsingen geboren, wuchs in Metzingen auf und arbeitete nach ihrem Pädagogikstudium als Volontärin in einem Tübinger Verlag. Seit 1993 ist sie Lehrerein an einer Schule bei Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Momentan ist sie allerdings beurlaubt, um sich mehr der literarischen Arbeit zu widmen.

Bei der Beschreibung eines Zahnarztbesuches überzeugt sich das Publikum von der satirischen Begabung der Autorin sogleich ausgiebig. Die seltsamen Mysterien in einer Zahnarztpraxis wurden dabei wirklich auf die Spitze getrieben: „In mei’m Maul befinde sich mehrere Gerätschafte!“ Manchmal ließ sogar der subtile Wortwitz eines Thaddäus Troll grüßen.

Die Zähne erschienen hier als „Plagegeischter“, die man nicht beherrschen kann: „Net aufsetze de Sauger, leider bin i am Schwätze gehindert in meiner misslichen Lage...“ Petra Zwerenz nahm ihr Publikum im Gemeindehaus aber auch auf eine facettenreiche Reise in den Berliner Osten mit, den sie als Schwäbin sehr nüchtern betrachtete: „Dr Sommer isch rom ond dr Wind bläst mer um d´Ohre.“

In der kurzen Erzählung „Lichtschranke“ hat eine über fünfzigjährige Frau ihre liebe Not mit der Bedienung diverser technischer Anlagen: „Für’s Technische brauche mer halt doch no d’Manne!“ Bei den Zuhörern kam aber auch die sensible Pferdebeschreibung der Autorin ausgesprochen gut an, denn sie erfasste das Wesen dieses Tieres mit geradezu alemannischem Wortwitz und ausdrucksvoller Sprachkraft.

Petra Zwerenz verleugnet jedoch auch leisere und melancholische Zwischentöne nicht: „Wer wird sich scho no an a Mädle erinnern, die vor 36 Jahr’ im Urlaub war? Dass se wisse, dass s’Lebe weh tun ka, ganz schö…” Auf der anderen Seite erkennt man die schwäbische Seele in all ihrer Zerrissenheit – Eduard Mörike lässt grüßen: „Sie hat doch älles!“ Und trotzdem kommt zur Antwort: „Inne drin isch mr’s weh...“