Das Loben und Danken geht oft unter

Pfarrer Mergel füllt mit Mundartpredigt nicht nur Gotteshäuser / Von angespannter Stille bis befreiendem Lachen

Schwarzwälder Bote, 03.01.2013 - von Andrea Fisel

Simmozheim. "Mr vergessa s’ Loba ond s’ Danka. Mr vergessa den, der ons älles gschengd hat", legte Pfarrer Manfred Mergel seiner Zuhörerschaft in der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche eindringlich ans Herz.

Wenn der Gemeindepfarrer seine inzwischen weithin bekannten und beliebten Mundartgottesdienste hält, füllt er nicht nur Gotteshäuser, sondern auch Hallen, Marktplätze oder sogar Festzelte auf dem Cannstatter Wasen. Dann bleibt es auch nicht bei dem frommen Wunsch, das Gesagte nur "ans Herz zu legen". Nein, vielmehr drangen an diesem Distriktgottesdienst in der Dreifaltigkeitskirche Simmozheim seine im urschwäbischen Dialekt gesprochenen Predigten, Gebete und Segensworte offensichtlich, ja nahezu spürbar auch in die Herzen seiner Zuhörer vor. Angespannte Stille wechselte sich ab mit befreiendem Lachen, mitreißender Lobpreis mit andachtsvollem Gebet, humorige Alltagsgeschichten mit tiefgläubigen Bekenntnissen.

"Ich spreche eigentlich gar nicht Schwäbisch. Dennoch vermittelt mir der Dialekt Authentizität, Heimat und Geborgenheit", bekannte eine Besucherin. "Von guten Mächten wunderbar geborgen" verkündeten auch zahlreiche Bläserinnen und Bläser, die sich zu einem ansehnlichen Distriktposaunenchor unter der Leitung von Martin Constien aus Ostelsheim vereinigt hatten. Die Gemeinde antwortete mit Worten aus Psalm 98: "Mit Trompeten und Posaunen, jauchzet vor dem Herrn, dem König!"

Und genau dieses Loben und Danken gehe im täglichen Einerlei unter, bemängelte der Geistliche, ganz besonders im Alltag der Schwaben: "Liabe Chrischdeleid, mr plana ond sorga, mr gstalda ond verwalda, mr schaffa ond roifla, mr fühla ons wohl in onserm Trott ohne Gott!" Und obendrein käme noch das "Bruddla ond Jammera" dazu. Der Predigttext führe dagegen am Beispiel von Paulus und Silas vor Augen, wie Menschen in einer noch so ausweglos erscheinenden Situation, trotz unmenschlicher Behandlung im Gefängnis, Gott loben und preisen: "Se händ uff dr Heiland guckt, se händ was bewegt, weil se gebeded ond ihrem Herrn verdraud händ."

So sollten auch wir mitten in der Nacht Loblieder singen, aus unserem Gefängnis, aus unseren einengenden Angewohnheiten ausbrechen, nicht zuerst überlegen, was könnten die Leute denken, empfahl der Pfarrer seiner Gemeinde: "Jesus braucht aufrichtige Gestalten mit Mut und Rückgrat!" Aus voller Überzeugung ertönte es daraufhin aus hunderten Kehlen: "Kommt, atmet auf, ihr sollt leben. Ihr müsst nicht mehr verzweifeln, nicht länger mutlos sein. Gott hat uns seinen Sohn gegeben. Mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein."

Pfarrer Manfred Mergel vermochte wieder einmal mit seiner im urschwäbischen Dialekt gesprochenen Predigt Junge und Alte, Schwaben und Nichtschwaben anzurühren.