Das Horror-Interview

"I schwätz schwäbich" / Das Geisterbahn-Gespräch: zum Auftakt spricht Pfarrer Manfred Mergel über Angst, Mundart und Gott auf dem Wasen.

Stuttgarter Zeitung, 28.09.2013

Bis zum 13. Oktober ist auf dem Volksfest wieder der Teufel los. Die Stuttgarter Zeitung begleitet den Wasen mit einem täglichen Horror-Interview aus der Geisterschlange. Heute: Pfarrer Manfred Mergel über den Mundartgottesdienst, den er am Sonntag im Schwaben-Bräu-Zelt hält.

Herr Mergel, wann haben Sie sich zum letzten Mal so richtig gegruselt?
Das ist schon lange her. In meiner Kindheit bin ich das letzte Mal Geisterbahn gefahren. Ich bin ein ziemlicher Angsthase, was Geisterbahnen anbelangt.

Was macht Ihnen daran Angst?
Diese Überraschungsmomente, Gestalten oder lauten Schreie. Das ist für mich sehr ungewohnt.

Man sagt, Gott sei überall. gilt das also auch für den Wasen?
Ich bin überzeugt, dass er überall ist, und halte deshalb gerne Gottesdienste auf dem Wasen. Die Predigt hat auf dem Volksfest einen festen Platz. Es gehört für mich zur Tradition des Fests, Gott für all das Gute zu danken, das man im Leben empfängt.

Was ist am Sonntag anders als in der Kirche?
Anders ist im Grunde nur die Sprache und der Ort. I schwätz nämlich schwäbisch. Den Reiz macht der besondere Ort aus, bei dem auch Zaungäste stehen bleiben und einmal vorsichtig hereinschauen.

Die Fragen stellte Annina Baur.

Foto: Michael Steinert, Stuttgarter Zeitung