Auf Schwäbisch von Gott zu reden erfordert hohe Kunst

Kritische Auseinandersetzung mit Vor- und Nachteilen von Mundartpredigten bei Seminartag in Simmozheim

Schwarwälder Bote 20.03.2010 - von Ralf Klormann

Simmozheim. In Norddeutschland hat sich die Verkündigung des Evangeliums im Dialekt längst etabliert. In Baden-Württemberg hingegen ist der Simmozheimer Pfarrer Manfred Mergel bislang eher eine Ausnahme in der Ausübung dieser kirchlichen Praxis, die zum Teil auch durchaus umstritten ist. Aus diesem Grund organisierte der Geistliche kürzlich einen Seminartag zu diesem Thema mit dem Titel „Spricht Gott nur Hochdeutsch?“.

Den Hauptvortrag bei dieser Veranstaltung hielt Klaus Raschzok, Professor an der Theologischen Hochschule Neuendettelsau, der sich kritisch mit dem Für und Wider einer Verkündigung im Dialekt auseinandersetzte. Dabei erläuterte er zahlreiche Argumente beider Positionen und wog diese sorgfältig gegeneinander ab.

„Die Mundartverkündigung sollte weder herabgewürdigt, noch ungekonnt genutzt werden“, lautete schließlich Raschzoks Fazit. Denn eine Predigt im Dialekt zu halten, ist alles andere als einfach. Die komplexen Inhalte müssen dabei nicht nur in die jeweilige Mundart übersetzt, sondern zudem auch gewissen rhetorischen Anforderungen gerecht werden.

„Wer schwäbisch von Gott reden kann, beherrscht eine hohe Kunst“, brachte Oberkirchenrat Ulrich Heckel es präzise auf den Punkt, „denn auch in der Mundart bleibt es die Aufgabe, das Evangelium zu verkünden. Eine Predigt ist schließlich keine Büttenrede.“ Heckel sah diese Art der Verkündigung allerdings auch als Chance, einzelne Gedanken mit Hilfe von Sprichwörtern und Redeweisen der jeweiligen Dialekte anschaulicher zu vermitteln.

Bernd Jörg Diebner von der Universität Heidelberg gab anschließend einen Einblick in die kirchliche Mundartarbeit in Norddeutschland, wo mittlerweile bis zu 300 Pastoren gelegentlich auf Plattdeutsch predigen. Dabei sprach er sich auch für diese kirchliche Praxis aus, da es kein plausibles theologisches Argument gegen die Verwendung von Dialekten gebe. „Gott spricht jede Sprache“, betonte er.

Gernot Tauchmann vom Kultusministerium in Stuttgart referierte schließlich noch über den Gebrauch von Dialekten im Unterricht, wobei er den Mundarten nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern auch einen eindeutigen Wert zuschrieb. So fördere ein „zweisprachiges“ Aufwachsen beispielsweise die geistige Flexibilität für Ausdrucksweisen. Priorität habe allerdings trotzdem eindeutig die deutsche Schriftsprache.

Zum Abschluss dieses überaus lehrreichen Seminartages präsentierte Mergel den Teilnehmern noch eine kleine Kostprobe der Mundartverkündigung, die das Thema richtig lebendig werden ließ: eine auf schwäbisch verfasste Predigt, die gemeinsam in der Gruppe gelesen und besprochen wurde.