Wortschatz

Manfred Mergel, Wortschatz. Eine schwäbische Gemeindepastoral, LIT Verlag, 216 S., 19,90 €, ISBN 978-3-643-12360-2 

Mit einem Geleitwort von Landesbischof Frank Otfried July 

Seit 1995 hält Manfred Mergel gelegentlich Mundartgottesdienste. Dann spricht er auf der Kanzel, wie ihm der Schnabel gewachsen ist.

Der vorliegende Band aus der Reihe „Dialekt und Religion / Religion und Dialekt“ bietet neben einigen Reflexionen über die kirchliche Mundartarbeit vor allem schwäbische Texte aus seiner pfarramtlichen Praxis. Die Vielfalt reicht von der Dokumentation verschiedener Sonntagsgottesdienste und einiger Kasualpredigten bis zu einem Beitrag im Rundfunk und verschiedener Andachten im Regionalfernsehen.

Manfred Mergel macht sich seine theologischen Gedanken auf schwäbisch. Was aber nicht heißt, dass er der Schriftsprache nicht mächtig wäre. Gleichwohl bekennt er sich freimütig zum Dialekt. „I schwätz schwäbisch!“ Mancher belächelt ihn deshalb. Sein Gotteslob kommt ungewohnt barfüßig daher. Doch seine Schwäche für den heimatlichen Dialekt hat ihm zumindest einen Titel gebracht: „Mundartpfarrer“.

Auf Umwegen wurde ihm bewusst, welche Möglichkeiten der Dialekt bietet. Dabei hat er die Reize seiner Mundart neu entdeckt. Sie ist mehr als eine Umgangssprache. Sie ist die Sprache des Herzens – eine Sprache der Seele, des Gefühls und des Gemüts. Im Dialekt äußert sich Unmittelbarkeit. Der Schwabe spricht schwäbisch, wenn er aus dem Herzen spricht: wenn er schimpft, wenn er liebt, wenn er betet.

Was liegt näher, als die Botschaft des Evangeliums mit der Sprache des Herzens noch intensiver zu vermitteln – sie in die schwäbische Mundart zu übertragen? Gerade der Mundartgottesdienst fordert den präzisen Ausdruck. Bei einer Predigt oder einem Gebet auf schwäbisch schafft das treffende Wort einen neuen und verbindlichen Zugang zum Wesentlichen – zum Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Manfred Mergel, geb. 1959 in Göppingen, ist Pfarrer der Württembergischen Evangelischen Landeskirche. Theologiestudium in Tübingen und Hamburg. Anschließend Vikariat in Kirchentellinsfurt, Tübingen, Seeburg und Fellbach. 1994 Pfarrer in Gärtringen im Landkreis Böblingen. 2002 Pfarrer in Simmozheim im Landkreis Calw. Seit September 2015 bewegliche Pfarrstelle (Gemeindearbeit in der Kirchengemeinde Aach, Kirchliche Erwachsenenbildung im Dekanat Freudenstadt und kirchliche Mundartarbeit). Leidenschaftlicher Dialektprediger, daneben Hobbyschriftsteller. Verschiedene Veröffentlichungen, hauptsächlich in schwäbischer Mundart. Er hat den Literaturklassiker „Dr kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry aus dem Französischen ins Schwäbische übersetzt.

„Do kann mr wenigstens net eischlafa!“ (Stimme eines Konfirmanden).

„S isch nunterganga bis in großa Zeha“ (Stimme eines älteren Herren).

„Der Gottesdienst war voll gut! Die Predigt war nicht so langweilig wie sonst immer“ (Stimme einer Konfirmandin).