„So isch na au wieder“

Pfarrer Manfred Mergel feiert in Aach Jubiläum als Mundartprediger

 

 

Schwarzwälder Bote, 22.1.2015 - von Claudia Müller

Dornstetten-Aach. Die Kirche war gestopft voll, als Pfarrer Manfred Mergel den Gottesdienst zu seinem 20-jährigen Jubiläum als Mundartprediger eröffnete. Für die meisten Besucher aus Aach und Umgebung war es der erste Gottesdienst in ihrem Dialekt. Sie genossen ihn. Sie lachten und kicherten, wenn sie sich in Anekdoten wiederfanden, und sie nickten oft.Was der derzeitige Pfarrer der Andreaskirche sagte, hätte inhaltlich größtenteils auch ein hochdeutsch predigender Pfarrer so sagen können. Aber wie viel leichter ist es, jemandem zuzustimmen, oder sich etwas Kritisches sagen zu lassen, wenn der andere die eigene Sprache spricht. Dass die Gottesdienstbesucher sich von Mergel verstanden fühlten, spiegelte sich auch in verschiedenen positiven Rückmeldungen nach dem Gottesdienst wider. Mergel freute sich, dass der Funke übergesprungen war. Inhaltlich beschäftigte sich der Neu-Schwarzwälder mit der schwäbischen Relativitätstheorie des „So isch na au wieder“. Damit bringt der Schwabe laut Pfarrer Mergel Dinge zusammen, die eigentlich nicht zusammen passen. Und kann sie dann trotz aller Spannung so stehen lassen. Der eine etwa sagt, ihm sei die Predigt zu lang gewesen. Der andere fand sie zu kurz. Man einigt sich auf ein diplomatisches „So isch na au wieder“. Der eine findet ein Haar in der Suppe. Das ist ziemlich viel. Der andere bemerkt, er habe nur ein Haar auf dem Kopf. Das ist ziemlich wenig. Was sagt man dazu? Genau:“So isch na au wieder.“Auch die biblische Geschichte, auf die sich der Pfarrer bezog, war ein Beispiel für unterschiedliche Sichtweisen. Jesus beobachtet darin eine arme Witwe, die zwei Münzen mit ganz geringem Wert in den Opferstock wirft. Das scheint wenig. Aber während alle anderen Gottesdienstbesucher mit ihren größeren Beträgen etwas von ihrem Reichtum abgeben, gibt die Frau ihren ganzen Besitz. Sie hat nicht mehr. Alles habe eben mindestens zwei Seiten. So isch na au wieder.Gegen Ende des Gottesdienstes würdigten der Kirchengemeinderatsvorsitzende in Aach, Fritz Weinmann, und Mergels Weggefährten Günther Ehninger aus Simmozheim und Bernd Jörg Diebner aus Wiesloch die Arbeit Manfred Mergel mit Geschenken und Grußworten. Sie machten ihm Mut, die Arbeit fortzusetzen. Mit im Gottesdienst dabei war auch Mergels Ehefrau und wichtige Kritikerin Ute Mergel.

 

 

Manfred Mergel (zweiter von rechts) feierte mit (von links) Kirchengemeinderatsvorsitzendem Fritz Weinmann, seinem Weggefährten Bernd Jörg Diebner, seiner Ehefrau Ute und seinem Weggefährten Günther Ehninger den Jubiläumsgottesdienst als Mundartprediger.

Foto: Müller, Schwarzwälder Bote